Ordination TOPMED Dr. Klaus Dann

Sportartspezifische Verletzungen

LAUFEN

Reizungen an der Achillessehne als häufigste Fehlbelastungsfolge bei Läufern

Das Laufen gehört in Deutschland zu den beliebtesten Sportarten. Seit den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts hat die weltweite Verbreitung des freizeit- und leistungsorientierten Laufsports (Jogging) stark zugenommen. Da beim Laufen die eigene Körpermasse ohne ein externes Sportgerät beschleunigt werden muss, gehört das Laufen zu den anstrengendsten Sportarten und verursacht einen hohen Energieverbrauch. Neben dem Herz- und Kreislaufsystem werden durch das Laufen insbesondere die Muskulatur, die Knochen, Sehnen, Bänder und der Knorpel der unteren Extremitäten belastet

Akute Verletzungen im Laufsport sind selten. Wenn, dann kommt es meist zu Muskelfaser- oder Muskelrissen sowie zu Bandverletzungen am Sprunggelenk. Häufiger kommt es dagegen zu Fehlbelastungsfolgen, die zumeist reversibel sind, bei Nichtbeachtung jedoch auch zu Überlastungsschäden führen können. Die Ursachen der Fehlbelastungsfolgen sind vielschichtig. Ein wesentlicher Faktor resultiert aus der unterschiedlichen Anpassungsfähigkeit der Gewebearten. Während das Herz- und Kreislaufsystem und die Muskulatur gut durchblutet sind und sich steigenden Laufbelastungen schnell anpassen, vollzieht sich der Anpassungsprozess bei den schlechter durchbluteten Geweben (Sehnen, Bänder) langsamer. Mit ansteigender Laufbelastung nehmen die Fehlbelastungsfolgen zu. Die kritische Belastungsgrenze ist für den normalen Läufer bei etwa 80 Laufkilometer pro Woche erreicht.

Hürdenlauf
(1) Foto: GOTS

In epidemiologischen Studien stellten die Knieschmerzen mit etwa 40 Prozent bis Mitte der neunziger Jahre die häufigsten Beschwerden beim Laufen dar. In jüngeren Veröffentlichungen dominieren dagegen die Achillessehnenbeschwerden. Weitere Folgen von Fehlbelastungen sind: Stressfakturen, Ansatzreizungen (z. B. im Bereich des Beckens) und Rückenschmerzen.

Achillessehnenbeschwerden sind die häufigsten Schmerzen von Läufern. Die Achillessehne ist von einem zarten Gleitgewebe umhüllt und insbesondere 4 bis 6 Zentimeter oberhalb des Achillessehnenansatzes schlecht durchblutet. Die Achillessehne reagiert auf Auskühlungen und ruckartige Belastungen empfindlich. Druckschmerzhaftigkeit, gelegentlich auch Schwellung findet sich am Muskelsehnenübergang, am Fersenbeinansatz sowie im Gleitgewebe.

Eine verkürzte Wadenmuskulatur übt einen Dauerzug auf die Sehne aus und begünstigt, vergleichbar mit einer Achsenabweichung im Sprunggelenk (Überpronation) und abgelaufenem/instabilem Schuhwerk (ermöglicht Kippbewegungen), die Fehlbeanspruchung der Achillessehne. Die Achillessehne verträgt schlecht Läufe auf ungewohnt hartem Untergrund, Tartanbahn, forciertes Bergauf- und Bergablaufen, Laufen auf verschiebbarem (Sand) und schiefem Untergrund (gewölbte Straße). Auch zu enge oder zu fest geschnürte Schuhe können einen Druck auf die Achillessehne ausüben. Zunächst sollte die auslösende Ursache der Beschwerden herausgefunden und beseitigt werden. Einstellung des Lauftrainings und kompensierende Belastung durch Radfahren und Schwimmen ist ratsam. Kühlung ist nur in den ersten 2 bis 3 Tagen sinnvoll. Physikalische Maßnahmen können durch Infiltration in das Gleitgewebe, Gabe von entzündungshemmenden nicht steroidalen Antirheumatica und vorübergehender Absatzerhöhung von 0,5 bis 1,5 Zentimeter ergänzt werden. Bei chronisch verdicktem Achillessehnengleitgewebe, kolbenförmiger Verdickung der Sehne durch degenerativen Achillessehnenumbau oder einer chronischen Entzündung des Schleimbeutels unterhalb der Achillessehne kann ein operatives Vorgehen erforderlich werden.

Prävention

Vor Beginn des Laufens sollte der Sportorthopäde den potentiellen Läufer hinsichtlich möglicher Gefahren untersuchen. Patienten mit starken Achsabweichungen, ungenügender Hüftkopfüberdachung, Wirbelgleiten, starkem Übergewicht und bereits existierenden Knorpelschäden an der unteren Extremität sind für den Laufsport aus sportorthopädischer Sicht ungeeignet. Aus medizinischen Gründen sollte zu einer anderen Sportart geraten werden.

Bei muskulärer Dysbalance sollte zunächst das muskuläre Ungleichgewicht durch gezieltes Training beseitigt werden. Eine Laufbandanalyse kann zur Ermittlung der geeigneten Laufschuhe hilfreich sein. Einlagen oder Schuhzurichtungen können bei Fußfehlformen erforderlich werden. Zu Beginn eines Trainings sollte ein Aufwärmprogramm, gegebenenfalls ergänzt durch moderates Dehnen, durchgeführt werden. Bei der Steigerung von Trainingsumfang und Laufgeschwindigkeit sind die Adaptationsmöglichkeiten der Gewebe zu berücksichtigen. Die notwendigen Regenerationsphasen und eine ausreichende Schlafzeit sind einzuhalten. Eine ausgewogene vitamin-, mineralstoff- und ballaststoffreiche Ernährung mindert ebenfalls das Verletzungsrisiko. Bei Infektionen sollte kein Training durchgeführt werden.